Kochalltag,  TCM Ernährung

Kochen = Stress? Fünf Tipps für entspanntes Kochen

„Kochen ist doch auch Stress“, „Ich bin abends so müde, da kann ich nichts mehr kochen“ – solche Sätze höre ich immer wieder… und habe selbst jahrelang so gedacht (und leider auch gelebt). Aber ist das wirklich so? Wenn du den Anspruch hast, jeden Tag ein Drei-Gänge Menü auf dem Tisch zu haben, dann sicherlich. Oder du dir immer noch Gedanken machst, was du denn jetzt eigentlich essen darfst und was besser nicht. Da bricht mir auch der kalte Schweiß aus. Wenn du dich aber einfach und gut, frisch und saisonal ernähren willst, dann darfst du dich jetzt entspannt zurücklehnen und weiterlesen.

Das Zauberwort hast du schon gelesen, es heißt EINFACH. Du darfst es dir so tatsächlich so einfach wie möglich machen. Das gilt für die Auswahl der Nahrungsmittel, der Rezepte und auch für dein Ernährungskonzept. Versuchst du streng nach den 5 Elementen und noch dazu im Kreis zu kochen? Das mag von der Idee her vielleicht Sinn machen. Aber ist es praktisch? Eher nicht… Oft genug höre ich, die TCM Ernährung wäre sehr kompliziert. Nein, ganz im Gegenteil. Du darfst es dir wirklich einfach machen. Deshalb, erste Entspannungs-Hilfe:

KOCHE EINFACH

Unsere Mitte mag es fad und einfach, das kann sie am besten verdauen und in Qi umwandeln. Da wiederhole ich mich gerne immer wieder. Gemüse mit Reis, Gemüse als Suppe, mit einem Stück Fleisch, als Eintopf, aus dem Ofen – alles einfache Gerichte, die man unendlich variieren kann, die gut tun, die nähren und stärken. Und die jahreszeitlich angepasst werden können. Dafür muss man mittags oder abends lediglich etwas Gemüse schneiden und dann ab in den Topf, die Pfanne oder ins Backrohr. Macht satt und glücklich. Zeitaufwand pro Tag: maximal 30 Minuten. Es muss auch nicht jede Woche ein neuer Menüplan sein. Was du gerne isst, tut dir (meistens) auch gut. Warum ständig versuchen, Bewährtes zu erneuern? Ich merke es an mir, ich probiere gerne Rezepte aus wenn ich Zeit und Muse habe, ab und zu wird etwas davon ins Standard-Repertoire übernommen, oft aber auch nicht – obwohl es lecker war. Ist das schlimm? Nein. Denn wenn es schnell gehen muss, ist der Mensch ein Gewohnheitstier. Gewöhne dir deshalb am besten, zwei/drei Gerichte an, die schnell gehen und gesund sind.

Dennoch kann es passieren, dass der Tag lang war, die Energie weg und der Kühlschrank leer. In dem Fall rate ich dazu, beim Asiaten oder Italiener des Vertrauens eine Mahlzeit zu holen oder dort zu essen, statt auf Fertiggerichte zurückzugreifen. Damit das nicht allzu oft passiert, beherzige den nächsten Tipp. Koche vor und schaffe dir einen Grundstock an gutem „Basismaterial“ an.

KOCHE VOR

Neudeutsch: Meal Prep – koche einfach immer mehr als du oder die Familie essen kannst. Das ändert an der Kochzeit kaum etwas, aber du hast am nächsten Tag quasi „kochfrei“. Getreide kann man im Kühlschrank sogar einige Tage aufbewahren. So hat man immer eine solide Basis, die schnell vervollständigt werden kann. Im Sommer lassen sich daraus auch leckere Salate zaubern, einfach etwas Gemüse kurz blanchieren, zum Getreide dazu, anmachen und würzen – fertig! Kraftsuppe hält sich ebenfalls im Kühlschrank und kocht (fast) von alleine. Viele Gerichte lassen sich am nächsten Tag auch im Büro als Salat essen. Wer Platz zum Lagern hat, kann auch einkochen, Suppen, Marmeladen, Kompott. Zudem emphielt sich eine kluge Vorratshaltung. So kann man schnell etwas zaubern – auch ohne eingekauft zu haben. Vorbereiten geht auch mit dem Frühstück. Meine Flockenmischung bewahre ich in einem großen Schraubglas auf. So muss ich nicht ständig hier einen Löffel Haferflocken, da einen Löffel Buchweizen, entnehmen. Ich nehme einfach die fertige Mischung und koche sie kurz auf. Im Büro steht ebenfalls eine Dose. Wenn es schnell gehen muss und am Morgen mal wirklich keine Zeit war, überbrühe ich die Flocken mit heißem Wasser. Das gibt es wirklich überall.

KAUFE KLUG EIN

Thema leerer Kühlschrank. Ich handhabe es so: Zwei Mal die Woche wird frisches Gemüse eingekauft, bei guter Lagerung hält es sich einige Tage. Einmal davon wird noch Großeinkaf gemacht. Der Rest ist kluge Vorratshaltung: Getreide, Reis, Nudeln, Hülsenfrüchte, Kichererbsen, Dosentomaten, Kompott sind z.B. immer im Schrank, genauso wie Gewürze und frische Kräuter. So vermeide ich, am Abend „noch schnell“ was besorgen zu müssen, was dazu führt, dass ich gestresst bin, seeeehhhr hungrig und am Ende keine Lust mehr habe zu kochen und dann doch schnell ein Brot esse. Die Einkaufszeit ist besser in eine gute Suppe oder einen sommerlichen Getreidesalat investiert.

Kraftsuppe mit Huhn und Gemüse
Kraftsuppe
NUTZE HILFSMITTEL

Wenn du denkst, dass es dir trotzdem zu viel wird. Warum lässt du dir nicht helfen? Spanne Mann und Maus ein, zum einkaufen, zum Vorkochen (Omas lieben so etwas!), Gemüse schneiden etc. Zusammen macht es mehr Spaß. Kinder lieben es zu helfen, meine 2-Jährige „schneidet“ Gemüse und wirft es mit großer Freude in den Topf. So bekommt sie von Anfang an mit, dass bei uns immer frisch gekocht wird. Das ist mir wichtiger als strenge Regeln. Und ansonsten: Nutze Hilfsmittel. Für jemanden, der wirklich keine Lust auf Kochen hat kommt vielleicht so etwas wie ein Thermomix in Frage. Immerhin „kocht“ er mit frischen Zutaten. Oder nutze einen Dampfgarer für Reis und Gemüse. Ich liebe Pfannengerichte oder die Tajine (ein nordafrikanischer Schmortopf aus Lehm). Einfach alles rein und Deckel zu.

Es wird immer wieder über die Mikrowelle diskutiert. Darüber kann sich jeder gerne seine eigene Meinung bilden. Für mich kommt sie nicht in Frage, wir leben seit Jahren ohne und ich habe sie selbst mit Kleinkind nicht vermisst. Der Tiefkühler wird in der TCM ebenfalls kritisch gesehen, da er der Nahrung sehr viel Kälte zufügt. Das sehe ich allerdings weniger problematisch als die Mikrowelle. Es sei denn man friert Fertigprodukte ein. Frische Gerichte, frisches Gemüse oder selbst Gekochtes einzufrieren und nach dem Auftauen (im besten Fall) mit frischen Zutaten wieder erwärmen ist für mich durchaus vertretbar. Gerade auch wenn man Kinder hat und größere Mengen kochen muss.

MACH DIR KEINEN STRESS

Und darüber hinaus: Sei gut zu dir, stress dich nicht und ärgere dich vor allem nicht über dich selber wenn du es am Anfang nicht jeden Tag schaffst. Gewohnheiten zu ändern braucht Zeit, überfordere dich nicht, lass dir Zeit und überlege dir Schritt für Schritt was du wie umsetzen willst. Wenn es dir hilft, mache dir einen Wochenplan. Ich kaufe dafür zu impulsiv ein, mir kommen die Ideen meistens im Supermarkt. Aber vielen hilft ein Plan ungemein. Probiere es aus. Und vor allem: Vergiss die dogmatischen Regeln. In der TCM gibt es keine Verbote. Jedes Lebensmittel hat seine Berechtigung, die Menge macht den Unterschied sowie das Wissen um die Wirkung im Körper und was einem individuell gut tut und was eher nicht. Vermeide jeglichen Dogmatismus, das setzt unter Druck und ist kontraproduktiv bei jeder Ernährungsumstellung. Gewöhne dir lieber neue Gerichte an. Viel zu oft lese ich in letzter Zeit „das ist aber nach TCM schlecht“ oder „das ist nicht TCM“ – das gibt es in meinen Augen nicht, aber das ist ein Thema für einen anderen Artikel…

Koche mit Freude und genieße dein Essen, denn ein schlechtes Gewissen schwächt deine Mitte!

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