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Grübelst du noch oder schläfst du schon?

Starke Mitte – klarer Geist. Eine Annäherung.

Endlose Gedankenschleifen, die immer und immer wieder um ein und dasselbe Thema kreisen, Sorgen, die uns nachts wach halten und die wir einfach nicht loslassen können. Tagsüber fühlen wir uns müde, wie benebelt und die Konzentration leidet. Tritt das ab und zu auf kann eine gut funktionierende Milz das kompensieren. Ist die Milz allerdings schwach oder das Denken zu mächtig leiden wir auf Dauer unter dem ständigen „sich Gedanken machen“ und werden unter anderem müde, energielos und leiden unter Konzentrationsmangel. Das Qi fließt nicht mehr richtig. Grübeln verknotet das Qi, sagt die Chinesische Medizin.

Denken heißt Verdauen

Zu viel Nachdenken wird in erster Linie mit dem Funktionskreis Milz assoziiert. Westlich gesehen ist die Milz kein überlebenswichtiges Organ. Anders in der Traditionellen Chinesischen Medizin. Diesem Funktionskreis* wird die Entstehung des Qi (unserer Lebenskraft) zugeordnet. Es wird aus der Atmung und unseren Mahlzeiten gewonnen. Eine der Hauptaufgaben der Milz ist es, diesen Umwandlungsprozess zu steuern. Nahrung besteht allerdings nicht nur aus Lebensmitteln, auch der geistige Input und all unsere tagtäglichen Gedanken gehören dazu. Sie nähren uns ebenfalls – positiv wie negativ.

Denken wird in der TCM als ein intellektueller Verdauungsprozess gesehen. Eindrücke, Gedanken und Informationen müssen von der Milz in verdauliche Häppchen zerlegt und analysiert werden. Was brauchbar ist wird integriert, als Gedanke, als Erkenntnis oder Gedankenkonzept. Was nicht gebraucht wird, wird verworfen, oder – leider oft genug – als mentaler Ballast ein Leben lang mit sich herumgeschleppt.

Die überstrapazierte Milz

Die Milz ist ein meist überstrapazierter Funktionskreis, bedingt durch die Ernährungsgewohnheiten und Kopflastigkeit unserer Kultur. Es verwundert nicht, dass viele Menschen, die pausenlos gedanklich gefordert sind, Verdauungsprobleme haben. Denken verbraucht Qi. Das Gehirn ist auf eine konstante Versorgung mit Blutzucker angewiesen, der laut TCM aus der Milz heraus bereitgestellt wird. Das merken wir daran, dass Denken müde macht und wir nach einer Phase langer Konzentration Heißhunger auf Süßes verspüren. Ein Zeichen einer schwachen Milz. Das kann vorübergehend sein oder irgendwann zu einer dauerhaften Milz-Qi Schwäche führen. Wir ermüden dann immer schneller, die Gedanken bleiben oft wirr und sprunghaft, die Konzentration leidet. Grübeln erschöpft die Milz, genauso umgekehrt: Ist die Milz schwach, sorgen wir uns leichter, haben Schwierigkeiten Entscheidungen zu treffen und können schlechter loslassen.

„Die nicht gelungene mentale und emotionale Transformation, (…), spiegelt sich auf der stofflichen Ebene: Die Nahrung wird nicht mehr ausreichend verstoffwechselt und umgewandelt.“

Klaus Dieter Platsch in Psychosomatik in der Chinesischen Medizin

Körperlich merkst du das an Verdauungsbeschwerden wie Blähbauch, Völlegefühl oder breiigem Stuhl bzw. Verstopfung. Ein Milz-Qi Mangel äußert sich auch in Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Cellulite und ständiger Infektanfälligkeit.

Denken beschäftigt viele Funktionskreise

Der Denkvorgang an sich ist sehr komplex und betrifft auch andere Funktionskreise. Die Milz nimmt die Gedanken wahr und spielt mit den Möglichkeiten. Für die Umsetzung sorgt die Leber, sie verleiht Ideen, Entschlusskraft und Unterscheidungsvermögen. Die Niere gibt ihre Willenskraft dazu.

Der eigentliche Denkprozess beginnt allerdings schon vorher, nämlich im Herzen. Es nimmt wahr und entscheidet, ob ein Gedanke mit der Qualität des Herzens kompatibel ist und angenommen wird. Oft denken wir schon bevor wir denken. Dann denken wir mit dem Herzen und lassen uns auf unsere Intuition ein –bevor der Verstand übernimmt.

Die Sorge – die Gefühlsqualität der Milz

Sorgen und Grübeln sind eng mit dem Denken verwandt und ebenfalls dem Funktionskreis Milz zugeordnet. Die Sorge an sich ist wertvoll und nützlich. Heißt es doch, wir setzen uns mit bestimmten Dingen auseinander, wägen ab und suchen nach Lösungen. Allerdings ist dabei schnell ein gesundes Maß überschritten: nämlich dann wenn das „sich Gedanken machen“ in die Endlosschleife geht. Bevorzugt abends, sobald wir uns ins Bett legen und schlafen möchten.

Die Rolle des Herzens

Hier kommt nochmal der Funktionskreis Herz als Sitz des Bewusstseins shen ins Spiel. Die Gedanken beschäftigen unseren Geist, unser shen. Sie sind unermüdlich mit ein und demselben Thema beschäftigt. Gerade nachts sollte sich aber das shen ins Herz zurückziehen und dort ruhen. Es reguliert – genährt vom Herz-Blut – den harmonischen rhythmischen Wechsel von Wach- und Schlafzustand. Erschöpft sich das Blut, erschöpft auch das Yin, das shen wird heimatlos, geistert umher und das Yang übernimmt die Oberhand. Der Geist wird unruhig und erregt. Die Folge: Wir liegen mit endlosen Gedankenschleifen und Sorgen nachts wach.

In der schlimmsten Ausprägung verliert die Sorge ihren Bezug und die Gedanken bleiben regelrecht „kleben“. Wir fühlen uns müde, lethargisch, schwammig im Kopf. Dieser Gedankenmüll entspricht der Feuchtigkeit, die im Körper stagniert und nicht mehr entsorgt werden kann. Sie bleibt einfach liegen. Die Milz kann ihrer Hauptfunktion, der Trennung des Klaren vom Trüben, nicht mehr richtig nachkommen. Der Verstand versumpft quasi.

Retten kann uns da nur eine starke Mitte und der richtige Umgang mit Stress und Emotionen. Eine ganzheitlich gestärkte Mitte sorgt für einen wachen und klaren Geist, dem auch das Loslassen und Entscheiden leicht fällt.

*Die Funktionskreise in der TCM haben westliche Organnamen. Sie sind aber nicht 1:1 damit gleichzusetzen. Vielmehr ist eine ganze Reihe von Funktionen (eben ein Funktionskreis) gemeint, die im Körper übernommen werden. So hat die Milz vielfältige Aufgaben, eine davon ist die die Umwandlung von Nahrung in Qi und Blut.

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